Fürchtet euch nicht

Stefan Egenberger (Pastor in Glückstadt und Neuenkirchen)

Wir werden immer irgendwie in die Welt gesetzt und machen Erfahrungen, die uns ängstlicher oder mutiger machen. Aber wir können die Angst auch überwinden.

Im ungarischen Wahlkampf hatte der Herausforderer Péter Magyar den Menschen immer wieder einen Satz aus der Weihnachtsgeschichte zugerufen: Fürchtet euch nicht. Nichts brauchen autoritäre Herrscher so sehr wie Angst und Viktor Orbán spielte unablässig auf der Klaviatur der Angst. Letzten Sonntag wurde aber schnell klar: Die Ungarn hatten keine Angst mehr. Die korrupte Scheindemokratie von Viktor Orbán ist erst einmal Geschichte.

Nichts braucht eine Diktatur so sehr wie Angst. In Russland wurde sogar eine Frau festgenommen, die nichts als ein Plakat hochhielt auf dem stand: Ich habe keine Angst. Diese mutige Frau hat dem Diktator Angst gemacht. Denn ohne Angst ist der Diktator nackt. Erstaunlich, was alles möglich ist, wenn man keine Angst hat. Dann erzittern Diktatoren und ungeahnte Dinge werden möglich.

Aber halt: Ob wir Angst haben oder nicht, das können wir uns doch nicht aussuchen. Ich glaube, das stimmt nur halb: Sicherlich werden wir immer schon irgendwie in die Welt gesetzt und machen Erfahrungen, die uns ängstlicher oder mutiger machen. Aber ich glaube auch, dass wir Angst überwinden können. Und dass wir mit jeder Überwindung ein Stück mutiger werden. Weil wir sehen, dass unsere Befürchtungen nicht eingetreten sind. Weil wir bei jedem Sieg über die Angst erkennen, was uns alles möglich ist. Vielleicht ist Mut so etwas wie ein Muskel, den wir trainieren können.

Aufgabe für die kommende Woche: einmal die Angst überwinden. Und dann schauen was passiert.

Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche
Ihr Stefan Egenberger (Pastor in Glückstadt und Neuenkirchen)

Hier finden Sie weitere Worte zum Sonntag aus unserem Kirchenkreis.

Veröffentlicht am Fr. 17.04.2026