Ich habe festgestellt, dass das, was mich ärgert, oft von mir selber, von alten inneren Verletzungen herrührt. Diese alten Themen in mir können dazu führen, dass ich mit anderen Menschen in Unfrieden gerate. Und weiter gedacht, welche Feindbilder entwickeln Menschen, weil sie das, was sie als Mangel oder Neid oder Fremdheit spüren, nach außen auf andere Menschen als Verursacher übertragen.
Wie viel Hass bricht sich in den sozialen Netzwerken Bahn. Oder welche tiefen Gräber tun sich zwischen Menschen auf, die für und die gegen die Coronamaßnahmen Stellung beziehen. Unsere Demokratie gerät in Gefahr, wenn Menschen mit unterschiedlichen Meinungen nicht mehr respektvoll miteinander im Gespräch sein können.
Heute am 8. Mai vor 76 Jahren wurde mit der Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde im Namen des deutschen Oberkommandos der 2. Weltkrieg in Europa beendet. In den Jahren des Nationalsozialismus sind zahlreiche Menschen Ideologien und Feindbildern gefolgt. Viele haben nicht mehr über ihre eigenen Werte nachgedacht. Diese Blindheit und auch Ängste führten zu dem millionenfachen Leid. Und hinter jeder Zahl steht ein Einzelschicksal.
„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34, 15) heißt es in der Bibel. Bei sich selber Frieden suchen: Wo bin ich mit mir nicht im Reinen und übertrage diesen inneren Unfrieden als Urteile und Feindbilder auf andere Menschen?
Dem Frieden nachjagen bedeutet, sich um Verständigung zu bemühen, zunächst im persönlichen Umfeld. Und ebenso zu einem respektvollen Umgang in unserer Gesellschaft beizutragen. Bei Konflikten in der Welt sollten Organisationen unterstützt werden, die sich um Friedensverhandlungen bemühen, statt dass mit Waffengewalt Interessen durchgesetzt werden. Der Weg zum Frieden ist weit. Das Zusammenleben der Menschen wäre friedvoller, finge jede und jeder bei sich an, den Frieden zu suchen.
Pastorin Maren Schlotfeldt, Leiterin des Frauenwerks im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

