Das fragt ein Mensch in einem Cartoon von Krieg und Freitag. Was „Zeiten wie diese“ sind, ändert sich immer wieder, aber zu den meisten Zeiten haben sich wohl schon Menschen so eine Frage gestellt. Zum Beispiel: „Darf ich meinen Urlaub genießen, während andere Menschen im Kriegsgebiet in Angst vor den Bomben leben oder auf der Flucht sind? Und während der Klimawandel immer weiter voranschreitet?“ Dem Mensch im Cartoon antwortet die Blume: „Es gibt keine moralische Verpflichtung, eine schlechte Welt noch schlechter zu machen, indem man sich selbst jede Freude verweigert.“
Ich denke, sie hat recht, diese Blume. Wir sind nicht moralisch verpflichtet, uns selbst jede Freude zu verweigern. Ja, mehr als das: Gott hat die Welt schön geschaffen, damit wir uns daran freuen (und uns gleichzeitig beauftragt, dafür zu sorgen, dass sie schön bleibt). Wir brauchen die Freude an den schönen Dingen – und sei es nur die Freude über eine hübsche Blume – um angesichts all der Schwierigkeiten und Probleme unserer Zeit nicht zu resignieren.
Die schönen Dinge erinnern mich daran, dass die Welt gut geschaffen ist. Sie machen mir Mut und geben mir Kraft, mich dafür einzusetzen, dass sie besser wird. Der Mann im Cartoon bedankt sich für diese Antwort: „Danke, das ist sehr weise, liebe Blume, die gruseliger Weise sprechen kann.“ Auch die Antwort der Blume möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: „Wehe, du pflückst mich!“
Pastorin Katharina Reinke, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Michaelis Itzehoe

