Wohngemeinschaften (kurz: WGs) sind bekannt. Diese Wohnform wird weithin eher von
jüngeren Menschen bevorzugt. Aber mehr und mehr werden sie auch von älteren (bzw.
älter werdenden) Menschen entdeckt, um Einsamkeit im Alter zu vermeiden und um
füreinander da zu sein. Wenn ich jetzt sage, dass auch der Himmel eine WG ist, mag der eine oder die andere sich
wundern und die Stirn runzeln. Aber warten Sie ab.
An Christi Himmelfahrt, der Name sagt es schon, rückt der Himmel in den Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit. Der Himmel ist so etwas wie der Sehnsuchtsort der Seele. Das Wort
‚Himmel‘ ist eine Chiffre für eine Welt, die unsere bekannte Welt hier bei weitem übertrifft.
Es ist eine „Welt danach“ und eine „Welt dahinter“ mit einem (neuen) Leben, das ewig ist.
‚Himmel‘ ist ein Begriff, mit dem wir Frieden, Licht, Sorglosigkeit und Heilsein verbinden.
Der christliche Glaube sagt auch ‚Paradies‘, ‚Reich Gottes‘ oder ‚neues/himmlisches
Jerusalem‘.
Es gibt in der Bibel ein wunderbares Bild für das, was Menschen, die an Jesus glauben und
ihm folgen, im Himmel erwartet. Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Leuten:
„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann
etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und
wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu
mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh 14, 2-3)
Als Jesus an Ostern aus dem Grab zurückkehrte, wurde deutlich, dass das Leben siegt
und es für uns eine Perspektive jenseits des Todes in der Ewigkeit gibt. Und an dieser
Stelle bekommen Jesu Worte aus dem Johannesevangelium Bedeutung - ein schöner
Gedanke und ein schönes Bild: Der Himmel, das Reich Gottes, ist eine große WG, und
Jesus selbst ist es, der uns unsere Wohnung vorbereitet, der sich auf uns freut und uns
dort willkommen heißt. Um die Wohnung zu bekommen, braucht es keine Bewerbung. Es
gibt keine Warteliste. Es gibt auch keine Besichtigungstermine mit hunderten von Leuten,
von denen am Ende nur einer die Wohnung bekommt und niemand weiß, wieso gerade er
oder sie. Es ist dort Raum für alle, die sich von Jesu dorthin einladen lassen.
An Ostern feiern wir, dass der Himmel für uns geöffnet wurde. An Himmelfahrt feiern wir,
dass Jesus begonnen hat, für uns Wohnungen im Himmel vorzubereiten. Es gibt seitdem
einen Platz für uns im Himmel. In Gottes unmittelbarer Gegenwart und Nähe. Und die, die
vor uns gegangen sind, sind bereits dort. In diesem Glauben, aus dieser Hoffnung, dass
alles und alle dort wieder zusammenfinden und in der Freude darüber dürfen wir unseren
Platz und unsere Zeit hier in diesem Leben gestalten. Ich wünsche uns allen ein
gesegnetes Himmelfahrtsfest!
Andreas Chr. Kosbab, Pastor der St.-Johannes-Kirchengemeinde Kremperheide

