„Du brauchst keinen Heiligenschein…“

Dr. Ulrich Palmer, Pastor, Ev.-Luth. Christus-Kirchengemeinde Hohenfelde-Hörnerkirchen

Neulich war ich morgens mit dem Fahrrad durch die Moorwiesen bei Breitenburg unterwegs. Die hinter mir aufsteigende Sonne ließ meinen Schatten neben dem Weg über das taunasse Gras gleiten.

Plötzlich erschien auf diesem Schattenbild rund um meinen Kopf eine zehn Zentimeter breite, hell strahlende Aura. Wie ein Heiligenschein.

Heiligenscheine sind auf alten Gemälden Kennzeichen für Menschen, die Gott nahe stehen. Viele davon, aus Volksglauben und Tradition, sind eher legendär als historisch. Aber über die bekannten Heiligen hinaus – neue Namen kommen nur noch selten dazu - gibt es mehr Menschen, als wir denken, die den Willen Gottes in ihrem Leben selbstlos auf besonders vorbildliche Weise umsetzen.

Das geschilderte optische Aha-Erlebnis erinnerte mich an das vor jeglichem Egotrip warnende Sprichwort: „Ein Heiliger ist so lange ein Heiliger, bis er es selber bemerkt.“ Wenn ich abergläubisch wäre, müsste ich nun Sorge haben, dass es mit meinem christlichen Lebenswandel ab sofort deutlich schwerer wird. Weil ich das aber nicht bin, werde ich mich weiter an Gottes schöner Welt freuen, auch an solch fantastischen Licht-Erfahrungen. Und genauso wird meine Lebenspraxis auf Mitmenschlichkeit ausgerichtet bleiben. Nicht, um mir einen Heiligenschein zu verdienen, sondern weil ich unterwegs zu Jesus bin. Das eingangs zitierte Lied („Cadillac“ der mecklenburgischen Band Leuchtturm) fokussiert in seinem Refrain darauf: „Du musst nur kommen, kommen zu ihm. (Jesus) It’s easy, come on, we’ll help you.“ Ob ich hier und da beim „Kommen zu Jesus“ helfen konnte?

Dr. Ulrich Palmer, Pastor, Ev.-Luth. Christus-Kirchengemeinde Hohenfelde-Hörnerkirchen

Veröffentlicht am Fr. 13.10.2023