Die Jahreslosung

Pastorin Anneliese Brandes, Religionslehrerin an der Beruflichen Schule Elmshorn

Das Jahr ist schon wieder zwei Monate alt. Was denken Schülerinnen und Schüler über die diesjährige Jahreslosung?

Meist hängt zu diesem Zeitpunkt längst die Jahreslosung als Postkarte über meinem Schreibtisch. In diesem Jahr liegt nur ein Notizzettel irgendwo, mit dem ich nicht fertig bin. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. (1Kor 16,14)

Ich bringe die Jahreslosung mit in eine meiner Klassen: „Also mich stört ja das Wort Liebe…“, sagt einer, „das passt nicht.“ Ich bin kurz verblüfft, hatte mich bisher eher das Wort "alles" gestört. „Alles? Also auch Mathe nachher?“, fragt auch prompt jemand und erntet müdes Lachen. Wie viele Dinge tue ich jeden Tag ohne Liebe? Wir überlegen: Was ist Liebe überhaupt? „Familie“, „Freunde“ und „kompliziert“ bekomme ich als Antwort. Darauf können wir uns einigen. Aber das Wort "alles" mutet uns zu, Liebe weiter zu denken.

Einige in der Klasse kennen in ihrer Muttersprache sogar sechs verschiedene Worte für Liebe. Vielleicht hilft das? Wir suchen auch nach anderen Worten: „Alles, was ihr tut, geschehe in guter Absicht“, schlägt eine Schülerin vor, ist aber skeptisch. „Alles, was ihr tut, geschehe in Wohlwollen?“ – aber das scheint uns zu wenig. „Liebe kann ja auch ein Ort sein“, meint eine andere Schülerin. Über diesen Satz denke ich noch auf dem Heimweg nach. Wenn Liebe ein Ort ist – wo ist dieser Ort? In mir? In Gott? Hier? Gott ist die Liebe (1Joh 4,16), geht mir ein anderer Satz durch den Kopf. Und ich übersetze für mich: Alles, was ihr tut, geschehe in Gott. Wenn das, was ich tue, in Liebe geschieht, ist Liebe vielleicht der Ort, wo Gott und ich uns treffen.

Anneliese Brandes, Pastorin im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf, Religionslehrerin an der Beruflichen Schule Elmshorn

Veröffentlicht am Fr 01.03.2024