Dennoch Freude suchen

Maren Schlotfeldt, Leiterin des Frauenwerks im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

Wie gehen wir mit dem Zwiespalt um, den Sommer zu genießen und Problem nachfühlen und aktiv werden.

Was genießen Sie am Sommer? Die langen Tage, die Fülle an Obst, die Wärme auf der Haut, endlich Urlaub, ein Tag am Meer? Mittlerweile die andere Seite des Sommers: Waldbrände, Starkregen, Dürre, Hitzerekorde. Und weiterhin Krieg in der Ukraine, Hunger, Flucht. Unbeschwert die schönen Seiten des Sommers und des Lebens genießen und dennoch das Herz nicht verschließen angesichts des Leidens von Menschen und Natur – das ist gefühlsmäßig ein Zwiespalt in mir.

Die eine Möglichkeit, mit diesem Zwiespalt umzugehen: Wenn genießen, dann genießen; wenn Probleme, dann nachfühlen und aktiv werden. „Alles hat seine Zeit“ heißt es in der Bibel. Also: Genießen hat seine Zeit, mitfühlen hat seine Zeit. Trauern hat seine Zeit, trotz Trauer sich wieder dem Leben zuwenden hat seine Zeit. Verzweifeln hat seine Zeit, Zuversicht finden hat seine Zeit. Ausruhen hat seine Zeit, sich engagieren mit anderen zusammen hat seine Zeit.

Und eine weitere Möglichkeit, mit diesem Zwiespalt zwischen Genießen und Mitempfinden umzugehen: am Glauben festhalten, dass eine größere Macht zur Besserung beiträgt. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben…“ so heißt es in einem Kirchenlied von Paul Gerhardt. Der Lieddichter erlebte den 30-jährigen Krieg mit und musste erleiden, dass einige seiner Kinder starben. Und dennoch lässt er sich von der Fülle des Sommers mitreißen: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen…“. Trotz allen Leidens nimmt er das Schöne wahr und hält fest an dem Glauben, dass Gott da ist, mitträgt und mitwirkt. Und er lässt sich miteinbinden in das Wirken Gottes: „Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum…“. Genießen, offenes Herz behalten, beten, mitwirken in Projekten, damit an manchen Orten sich etwas verbessert für Menschen oder für die Natur. Ist das ein Weg, um Freude zu suchen für sich und für andere?

Maren Schlotfeldt, Leiterin des Frauenwerks im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

Veröffentlicht am Sa. 29.07.2023