Stefan Egenberger, Pastor in Glückstadt
Pastor Stefan Egenberger, Glückstadt Egenberger

Brot und Wein für alle

Stefan Egenberger, Pastor Glückstadt

Das Reformationsjubiläums im vorletzten Jahr sollte auch einen Fortschritt in der Beziehung der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland bringen. Das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Evangelischen aber, was mir viele immer wieder als größtes Ärgernis nennen, kommt nur in Trippelschritten vorwärts.

Sicher: die Unterschiede zwischen beiden Kirchen in manchen Bereichen sind enorm. Aber was will das schon heißen? In unseren evangelischen Gemeinden stehen Lebenskünstler neben Bürokratiefanatikern, AfDler neben Flüchtlingshelfern und Sonnenbeschienene neben Grade-so-Durchkommern – von den unterschiedlichen religiösen Vorstellungen ganz zu schweigen. Und bei den Katholiken wird es nicht viel anders sein. Das Abendmahl ist aber auch und – ich finde – vor allem ein Zeichen der Verbundenheit und der Gemeinschaft.

Als Jesus das Brot reichte, sagte er ja nicht, dass die Evangelischen ihr Brot in dem einen Haus essen sollten und die Katholiken in einem anderen. Und auch nicht, dass sich am Sonntagvormittag die Familien in evangelisch und katholisch spalten sollten und die einen hier und die anderen dort essen sollten.

Ich meine: Gerade weil die Unterschiede so groß sind brauchen wir Orte, an denen wir unsere Gemeinschaft zum Ausdruck bringen können und das Abendmahl ist ein Ort, an dem Einheit zu einem starken Bild wird: Wir sitzen an einem Tisch und essen von einem Leib – bei all dem, was uns sonst noch trennt. 

Ich habe die Vermutung: Irgendwann werden die Menschen sich nicht mehr um die Regeln ihrer Kirchen scheren, sondern zum Abendmahl gehen, wo sie es wollen – gemeinsam. Vielleicht schon an diesem Sonntag.

Es grüßt herzlich Ihr Pastor Stefan Egenberger, Glückstadt

Veröffentlicht am Sa. 19.01.2019