Bleib nicht stehen!

Dr. Thomas Bergemann, Propst des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf

Wie geht man damit um, wenn auf einmal alles anders ist? Wenn sich Pläne nicht verwirklichen? Wenn sich Resignation breit macht? Wie geht man damit um, wenn nichts mehr so ist, wie es sein sollte?

Du hast dich entschieden, für einen Plan, einen Menschen, eine Arbeit – aber alles geht schief, und am Ende stehst du alleine da. Wo gehst du hin? Wo kannst du bleiben?

Wie ist es, ein Fest zu feiern ohne die üblichen und vertrauten Rituale? Wie fühlt sich das an, wenn es fast keinen Unterschied zwischen Arbeitstag und Wochenende mehr gibt, weil man ja doch nichts anderes machen kann? Ist es egal, dass Feiertage vor uns liegen?

So viele Fragen – alle hängen sie mit Ostern zusammen. Ein Fest, das uns daran erinnern soll, dass alles im Leben sich ändern kann. Und daran, dass sich Erfahrungen, die weh tun und schrecklich sind, auch zu etwas Neuem wenden können. Blicke zu ändern, zu weiten, auf anderes zu richten: Das sind Ostererfahrungen.

Die Freunde Jesu blieben nicht unter dem Kreuz stehen, sie machten sich auf den Weg. Zumeist gingen sie nach Hause. Und dort kamen sie als andere an, als die sie ein Jahr zuvor losgezogen waren. Sie sahen ihr Leben und auch ihre Lieben anders als zuvor, weil sie Neues erlebt hatten – und es war nicht nur Schönes und Leichtes, was hinter ihnen lag.

Was nehmen wir mit von diesem Osterfest?

Vielleicht diesen Gedanken: Wie dankbar dürfen wir hier sein! Für unsere Gärten, unsere Weite, unsere mitmenschliche Nähe – wie privilegiert sind wir, hier bei uns, in diesen Tagen? Und vielleicht diesen Auftrag: Mögen wir nach Ostern anders auf unser Leben blicken und anpacken, was anders werden sollte. Vielleicht könnte das unsere Auferstehung sein – Ostern als Fest unserer Veränderung?! Denn Ostern sagt uns: Bleib nicht stehen, geh mutig neue Wege! Denn Gott kommt dir entgegen.

Propst Dr. Thomas Bergemann

Veröffentlicht am Do. 09.04.2020