Auferstehung an der Tankstelle

Pastor Christoph Radtke, Kirchengemeinde Glückstadt

Haben Sie in den letzten Tagen auch immer überlegt, wann Sie am besten Tanken fahren? Ich habe das getan und mich auch prompt geärgert, am Nachmittag vor der Waffenruhe getankt zu haben...

Haben Sie in den letzten Tagen auch immer überlegt wann, Sie am besten Tanken fahren? Vielleicht sogar mit einer App verglichen, wo der Preis-Wahnsinn noch am moderatesten war? Ich habe das getan und mich auch prompt geärgert, am Nachmittag vor der Waffenruhe getankt zu haben. 15 Cent mehr als am Morgen danach. Die größte Auswirkung eines scheinbar fernen Krieges spüren wir hierzulande an den Zapfsäulen der Nation. Man könnte von einem Luxusproblem sprechen, während in Teheran und im gesamten Iran Menschen sterben, die nichts weiter tun wollten, als ihren normalen Alltag in Frieden zu verbringen. Genau das was wir tun können, was wir in Zukunft tun wollen und worum wir uns manchmal Sorgen machen.

Der nächste Sonntag heißt „Quasimodogeneti“, „wie die neu geborenen Kinder“. Es ist der Sonntag nach Ostern, wir nennen ihn 'weißen Sonntag'. Auferstehungs-Weiß. Makellos, von Schuld und Trauer befreit. Manchmal wünsche ich unserer geplagten Welt und vor allem den Menschen, die Kriege nicht nur an Zapfsäulen erleben, ein weißes Gewand der Auferstehung aus dieser Spirale der Gewalt. Ostern ist für uns Christ:innen ein Neustart – die Weste ist wieder weiß. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“, heißt es im Wochenspruch. Es ist diese lebendige Hoffnung, die wir hochhalten müssen, für ein bisschen mehr Ostergeschehen auf der Welt.

Pastor Christoph Radtke
Kirchengemeinde Glückstadt

Veröffentlicht am Fr. 10.04.2026