Anke ist gespannt

Thorsten Gloge, Pastor für Gemeinde- und Personalentwicklung

Anke sagt, sie sei eine Heidin. Sie meint damit, sie glaube nicht an Gott. Aber Weihnachten finde sie trotzdem schön. Sie dekoriert ihre Wohnung und umgibt sich mit schönen Dingen, mit denen sie sich auf das einstimmt, was ihr an Weihnachten wichtig ist:

Aufmerksamkeit füreinander und Zeit für andere Menschen. In ihrem Beruf als Altenpflegerin sieht sie, wie in jedem Jahr Senioren den Weihnachtsabend allein verbringen. Aber es sind nicht nur die Alten. Geschätzt 2,5 Millionen Deutsche verbringen den 24. Dezember für sich. Auch sie selbst fühlte sich in manchen Jahren am Heiligabend allein und ausgeschlossen. Bis sie einmal bei Freunden eingeladen wurde. Es wurde ein ganz anderer, wundervoller Heiligabend, in liebevoller Stimmung und turbulent zugleich.
Anke versucht es in diesem Jahr einmal mit Facebook, Ebay-Kleinanzeigen, Instagram. Es kann sich melden, wer zu Heiligabend alleine ist. Schon im Oktober hat sie eingeladen zu leckerem Essen und gemütlichem zusammen Sitzen. Sie ist gespannt.
Anke wird gefragt: Du kennst die doch gar nicht, die da kommen. Hast du da nicht Bedenken? Doch schon, sagt sie, aber es wäre doch blöd, es nicht zu versuchen.
Der Apostel Paulus schreibt im ersten Jahrhundert einen Brief an die Menschen in Rom. Das waren zu der Zeit fast alles Heiden dort. Genaugenommen ist die Kirche zum größten Teil aus Heiden entstanden. Für Paulus war wichtig, dass Gott gerade bei den Heiden angekommen ist. Ihm ist wichtig, dass sie angenommen sind bei Gott. Deshalb schreibt er an die Leute von Rom: Macht´s wie Gott: Nehmt einander an, wie Christus Euch angenommen hat.
Am Sonntag ist der dritte Advent. Noch eine Woche. Viele gehen gespannt auf Weihnachten zu: Fehlt noch was? Habe ich das richtige Geschenk getroffen? Und viele spüren: Weihnachtsstress möchte ich nicht. So ist es nicht gedacht. Der lebendige Adventskalender in vielen Gemeinde bringt eine Atempause und Menschen zusammen, die sich vielleicht nicht kennen aber doch gemeinsam fragen: Was will mir Weihnachten schenken?
Am Ende ist es vielleicht gar nicht so schwierig, Geschenke zu machen. Und es geht eigentlich darum, etwas anzunehmen, das mir Weihnachten begegnen will. Ja, vielleicht sind es Geschenke, die sich andere für mich ausgedacht haben. Vielleicht sind es aber auch die anderen selbst. Lass sie sein, wie sie sind, lass sie Dir schenken. Sei in Liebe da. Manche haben gar niemanden. Eine über-raschende Begegnung? Ein Moment nur für mich? Oder Gott für Dich? Gott wird jedenfalls da sein in unserer Welt – ein Geschenk.

Veröffentlicht am Sa. 15.12.2018