Das Paket, das der Zusteller ihm überreichen wollte, war an einer Stelle aufgerissen. Ein Loch, so groß wie ein Frühstücksteller, gewährte einen Blick auf die Ware darin. Der Empfänger wehrte ab – Annahme verweigert. Falls etwas fehlen sollte oder defekt wäre, könnte er den Inhalt aufgrund des kaputten Kartons nicht reklamieren. Der gestresste Zusteller nickte müde und schleppte das Paket zurück in den Wagen.
Annahme verweigern. Wie schön wäre es, wenn das auch öfter mal im übertragenen Sinne möglich wäre… Wenn das Leben mir etwas in den Arm drücken will, was nicht in Ordnung ist. Wenn die Kolleginnen ohne mich den Jahresurlaub planen. Wenn der Englischlehrer selbstverständlich voraussetzt, dass ich mit meinem Kind übe. Wenn ich als Frau einen höheren Beitrag bei der Krankenversicherung zahlen muss als ein Mann.
Als ein Engel Maria, der Mutter Jesu, das „Paket“ Mutterschaft für Gottes Sohn überreichen will, zögert diese. Annahme verweigern? Sie fragt, wie das Angekündigte vor sich gehen soll. Dann erst stimmt sie zu und sucht sich Unterstützung für dieses schwere Paket. Sie weiß, dass es sich mit einer anderen Frau leichter tragen lässt. So geht sie zu ihrer älteren Verwandten Elisabeth, die auch schwanger ist mit einem besonderen Kind. Mit ihr ist sie verbunden in ihrem Glauben und ihren Hoffnungen, dass Gott sie angenommen hat.
Pastorin Anne Wöckener-Gerber, Frauenwerk Rantzau-Münsterdorf
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