Schmückstück der hiesigen Orgellandschaft

St. Trinitatis, Neuendorf

Die historische Orgel der St. Trinitatiskirche zu Neuendorf an der Elbe ist eines der Schmuckstücke der schleswig-holsteinischen Orgellandschaft. 1759 ließ der damals wohlhabende Ort vom renommierten Orgelbauer Johann Matthias Schreiber das für eine Dorfkirche überaus stattliche Instrument im norddeutsch-barocken Stil erbauen. Schreiber wird der Schule des berühmten Arp Schnitger zugerechnet, der wiederum einer der bekanntesten Barock-Orgelbauer aller Zeiten war.

Er war nämlich Geselle des Stader Orgelbauers Dietrich Christoph Glogers, der die Werkstatt Schnitgers nach dessen Tod weiterführte. Die Orgel wurde zunächst durch die Firma Hillebrand 1983 restauriert, von ihr stammen auch die Zungenregister. Nach einer Periode der Vernachlässigung erfolgte 2015 eine umfangreiche Instandsetzung durch die niederländische Firma Flentrop.

Disposition

Hauptwerk (C-c‘‘‘):

Quintadena 16‘
Principal 8‘
Viol di Gamba 8’
Gedact 8’
Octav 4’
Sexquialter 2f.
Mixtur 5f.
Tromet 8’
Vox humana 8‘

Schiebekoppel BW/HW
3 Sperrventile
Tremulant auf Hw
Cymbelstern

Brustwerk (C-c‘‘‘):

Quintadena 8‘
Floite 4‘
Nasat 3’
Waldfloite 2’
Siefloite 1 ½’
Scharff 4f.
Krumbhorn 8’

Pedal (C-d‘):

Subbass 16‘
Octav 8’
Octav 4’
Posaune 16’
Tromet 8’

Einzigartig, klangschön und raffiniert

Lutherkirche, Lägerdorf

1912 erhielt das kleine Lägerdorf, das mit seinem Kreidewerk wirtschaftlich enorm vom Zeitalter der Hochindustrialisierung profitieren konnte, für die kleine, im historisierenden Stil der Jahrhundertwende erbaute Lutherkirche eine sehr stattliche Orgel der ostpommerschen Firma Voelkner. Es ist das einzige, noch erhaltene Instrument auf schleswig-holsteinischem Boden dieser Orgelbauwerkstatt, die für Klangschönheit und technische Raffinesse bekannt war. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hatte die (heute nicht mehr existierende) Werkstatt über 200 Instrumente erbaut, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland und in Afrika.
Die Lägerdorfer Orgel lag viele Jahrzehnte im Dornröschenschlaf, ohne ihren schönen Klang zu verbergen (trotz einiger ungeschickter neobarocker Umbauten). Mit der 2015 begonnenen Dokumentation der Orgellandschaft unseres Kirchenkreises fiel dem, mittlerweile auch von starkem Schimmel befallenen, Instrument besondere Aufmerksamkeit zu.

Die Notwendigkeit einer gründlichen restaurativen Instandsetzung und Pflege wurde offensichtlich. Da die Orgel über ein aufwendiges technisches System, die pneumatische Kegellade verfügt (dass heißt Bälgchen werden durch Drücken der Tasten aufgeblasen und heben Kegelventile, die die Pfeifen erklingen lassen), musste die Auswahl der anbietenden Firmen sorgfältig getroffen werden.
Die Wahl fiel schließlich auf die württembergische Firma Link (Giengen/Brenz), die auf die Restaurierung derartiger Instrumente spezialisiert ist und mit zahlreichen großen Projekten (Christuskirche Mannheim etc.) überzeugen konnte. Seit September 2018 kann die Lägerdorfer Kirchengemeinde nun mit Stolz auf ein kompetent restauriertes, romantisches Orgelwerk von beeindruckender (Klang)schönheit blicken.

Disposition

Hauptwerk (I):

Bordun 16‘
Principal 8‘
Flöte 8´
Oktave 4´
Kornett 3-4fach (=Mixtur)

Manual Umfang C – g´´´ Pedal C – d´
Manualkoppel / Calcantenruf
Pedalkoppel I, Pedalkoppel II
Registerschweller per Walzentritt
Piano, Mezzoforte

Oberwerk (II):

Gedackt 8´
Geigenprincipal 8´
Aeoline 8´
Voix celeste 8´
Flauto dolce 4´
 

Pedal:

Subbass 16´
Violon 16´
Oktave 8´

Regionale Kostbarkeit

St. Nicolai, Neuenkirchen

Die Orgel der St.-Nicolai-Kirche in Neuenkirchen gehört zu den kostbarsten Instrumenten der Region. 1785 vom renommierten Orgelbauer Johann Daniel Busch erbaut, hat sie die Jahrhunderte ohne schwerwiegende künstlerische Eingriffe überstanden – eine gründliche Restaurierung auf Basis der historischen Vorlage nahm die niederländische Firma Reill im Jahr 1999 vor.

Das kleine Instrument mit schmuckem Prospekt ist – obwohl erst im vorletzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstanden – noch ganz der mittleren Barockzeit verpflichtet und besticht durch die klare klangliche Zeichnung und Wärme seiner Register. Interessanterweise ist das Pedal „nur“ angehängt, verfügt also über kein eigenes tiefes Register, was eigentlich typisch für eine italienisches Instrument des 17. Jahrhunderts ist. Das Instrument eignete sich somit hervorragend für die „manualiter“-Literatur aus Renaissance und Barock.

Disposition

Obermanual (C,D, DIS-c’’’):     

Principal 8‘ (wenige Töne neu)
Octave 4‘
Quinte 3’
Mixtur 3fach


Tremulant
Schiebekoppel Obermanual an Untermanual
Zimbelstern, Calcantenruf, Sperrventile
Stimmung a‘ = 470 Hz

Untermanual (C,D, DIS-c’’’):

Gedackt 8‘
Flöte 4‘
Waldflöte 2’
Sesquialtera 2fach
Trompete 8‘
Vox humana 8‘ (rekonstruiert von Reil)

Pedal:

An Untermanual fest angehängt; koppelt über Manualkoppel auch Oberwerk an