Wort zum Sonntag

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Von Propst Dr. Thomas Bergemann - 24.05.2017

Tag der Luftwaffe

Es wird berichtet, dass zu Zeiten der Sowjetunion ein Generalsekretär der KPdSU zu Himmelfahrt in Deutschland zu Besuch war. Auf seine Nachfrage, was denn gefeiert würde, erhielt er durch einen Übersetzungsfehler die Antwort: „Der Tag der Luftwaffe“. Damit konnte er etwas anfangen, wahrscheinlich mehr als mit der zutreffenden Antwort „Himmelfahrt“.
Schwierig ist es aber bis heute zu erklären, was denn mit Himmelfahrt gemeint sei. Es gibt zwar zahlreiche Darstellungen in der Kunst, wie Jesus auf einer Wolke gen Himmel entschwebt. Zuweilen sind auch nur seine Füße dargestellt. Aber selbst wenn es sich so oder ähnlich zugetragen haben sollte – was bedeutet das für uns heute?
Für mich beginnt mit dem, was wir traditionell „Himmelfahrt“ nennen, das normale Leben, so wie wir es kennen. Die außergewöhnliche Zeit ist vorbei. Jesus ist nicht mehr auf der Erde, die Ereignisse um Karfreitag und Ostern sind Vergangenheit, die Menschen sind wieder im Alltag angekommen. Sie müssen eigene Antworten finden auf ihre Lebensfragen. Die Zukunft muss gestaltet werden, ohne dass Jesus befragt werden könnte. Gott ist nicht mehr auf der Erde. Es ist wie vor Weihnachten.
Die Botschaft lautet: Schaut nicht in den Himmel. Sucht Gott nicht über den Wolken. Schaut in euer Herz! Sucht Gott in euch, in anderen Menschen, in seinen Geschöpfen.
Wir dürfen uns erinnern an all das, was wir durch Jesus wieder und neu von Gott erfahren haben. Und können auf diesem Fundament unsere eigenen Wege gehen, Schritt für Schritt tastend, in Freiheit und doch von Gott behütet. So leben Christen – seit Himmelfahrt!


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