"Gute" Macht

Andreas Christian Kosbab, Pastor der St-Johannis-Kirchengemeinde Kremperheide

Ein Gebet des Theologen Reinhold Niebuhr ist sehr bekannt:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ – Weisheit ist in der Tat eine Gabe. Sie ist eine Hilfe, die fähig macht zu handeln. Die lehrt, zu erkennen, was nötig und was „dran“ ist. Sie hilft zu sehen, was meine Möglichkeiten und Aufgaben, aber auch meine Grenzen sind.

In der Bibel wird berichtet, dass Salomo, nachdem er König von Israel geworden ist, von Gott gefragt wird, was er ihm geben soll. Salomo erbittet daraufhin nicht Macht oder Reichtum, sondern ein „gehorsames Herz“ Gott gegenüber sowie die Fähigkeit, Gut und Böse unterscheiden zu können. Denn er will für sein Volk ein guter König sein. Gott ist erfreut über diese demütige Wahl. Er erfüllt Salomos Wunsch und schenkt ihm Weisheit.

Weisheit im Sinne Niebuhrs und Salomos ist etwas, das wünschenswert ist für gute Entscheidungen, sogar unverzichtbar - im eigenen Leben, in der Familie und im persönlichen Umfeld ebenso wie im Handeln aller Mächtigen und Verantwortlichen, vor Ort ebenso wie im Miteinander der Staaten und Nationen unserer Erde. Mit entsprechender Demut und einem offenen Herz und Ohr für Gott.

„Gute“ Macht braucht Demut und Weisheit. Es ist mein Gebet, dass Menschen, ganz egal wer sie sind und wo sie Verantwortung tragen, es machen wie Salomo und Niebuhr: Dass sie demütig um Weisheit bitten und mit ihrer Hilfe um gute Entscheidungen ringen. Unsere Welt und die Menschen brauchen mutige, aber auch demütige Weisheit – im Kleinen vor Ort ebenso wie im Großen an den Schaltstellen und Rädern der Macht.

Allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Sonntag!

Veröffentlicht am Mi 14.08.2019