Einer, durch den die Sonne scheint

Gabriele Petersen, Pastorin in Herzhorn

Die Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Wir schauen uns von außen die Kirche an.

„Warum sind die Fenster so schwarz? Man kann ja gar nicht reingucken!“ bemerkt einer der aufmerksamen „Kirchgänger“. „Sie sind bunt!“ korrigiere ich, „gleich wirst du es entdecken!“ Und wir gehen hinein.

Drinnen ist es schummrig. Nur die angeblich schwarzen Fenster strahlen uns entgegen. Die Kinder staunen. Das Licht der Sonne hat die Fenster zum Leuchten gebracht. „Da könnt ihr den heiligen Martin sehen. Er teilt seinen Mantel!“ erkläre ich und zeige auf eines der Buntglasfenster. „Was ist ein Heiliger?“ fragt nun ein Mädchen. Und während ich noch nach einer kindgerechten Erklärung suche, sagt einer unserer kleinen Mitbesucher: „Das ist einer, durch den die Sonne scheint!“

Liebe Leserin, lieber Leser, kaum jemand wird von sich behaupten, eine Heilige oder ein Heiliger zu sein. Aber jemand, durch den ab und zu für andere die Sonne scheint, könnten wir schon sein. Ein freundlicher Blick, eine zärtliche Geste, ein hilfreicher Rat, ein überraschender Besuch oder auch resolutes Auftreten im Streiten für eine gute Sache – das sind für manch einen „Sonnenaufgänge“, Lichtblicke an dunklen Tagen. „Lebt als Kinder des Lichtes!“

Ein biblischer Rat an alle, denen ein gutes, liebevolles Leben und Frieden in der Welt am Herzen liegen. 

Gabriele Petersen

Veröffentlicht am Mi 07.08.2019