Den Kopf freilaufen

Pastor Ralf Greßmann, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Anschar Münsterdorf

Wir wandern gerne. Im letzten Sommer waren wir auf einem Küstenweg. Die Steigungen waren machbar, die Blicke gingen weit über die See.

Schnell gelang es mir, den Alltag zurückzulassen. Der Kopf wurde frei, die Seele konnte baumeln. Ich suche diese Erfahrung auch im Alltag. Als Pastor höre ich viele Geschichten von früher. Unser Schulweg war lang, heißt es dann, auch zum Tanzlokal sind wir kilometerweit gelaufen. Meine Gegenüber beschweren sich nicht, im Gegenteil: Die Augen leuchten. Obwohl sie nicht mehr gut laufen können, sie sind zufrieden, dass sie es getan haben, als es noch ging.

Ich bin überzeugt davon, dass das Gehen eine heilsame Wirkung hat. Das gilt auch im übertragenen Sinne. Auf dem gesamten Lebensweg tut es gut, langsam zu gehen und sich neu zu orientieren. Dem christlichen Dichter Gerhard Tersteegen verdanken wir diese Liedzeile: „Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit“. Er glaubt an den Sinn des Lebens und an ein gutes Ziel. Er will nicht hektisch durchs Leben gehen. Ich möchte ihm gerne nacheifern. Auch in diesem Sommer wandern wir gerne.

Pastor Ralf Greßmann, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Anschar Münsterdorf

Veröffentlicht am Sa 13.07.2019