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07.12.17 [09:21 Uhr] Alter: 5 Tag(e)
"Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Die Rede des Propsten auf dem Elmshorner Lichtermarkt

Was für ein wunderbarer, ermutigender Anblick: So viele Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Um ein Zeichen zu setzen, das wahrgenommen wird, hier in Elmshorn, in Schleswig-Holstein und darüber hinaus!
Wir befinden uns auf dem Alten Markt, zu Füßen der altehrwürdigen Nikolaikirche. Sie ist benannt nach Nikolaus, einem Bischof aus Myra. Das liegt heute in der Türkei. Und nach allem, was wir wissen, war Nikolaus nicht blond, sondern dunkelhaarig, wie fast alle Menschen in seiner Heimat. Und höchstwahrscheinlich hatte er dunkle Haut, ähnelte also stark jenem dunkelhäutigen Engel, der manche Zeitgenossen so aufregt.
Nikolaus wurde vor allem berühmt und wird bis heute verehrt, weil er den Menschen als Menschen sah. In jedem einzelnen sah er ein Kind Gottes. Groß oder klein, dunkel- oder hellhäutig, Christ oder kein Christ. Ihm ging es um den Menschen, nicht um Begriffe. Er war für viele wie ein Licht, ein Hoffnungszeichen. Und ich frage mich schon, was er wohl dazu sagen würde, dass heute manche Zeitgenossen meinen, ein Lichtermarkt, der nicht Weihnachtsmarkt genannt wird, stünde für den Ausverkauf des christlichen Abendlandes.
Was für ein Unsinn! Was für schräge Gedanken!
Dieser Lichtermarkt in der Adventszeit steht für Lebensfreude, führt unterschiedlichste Menschen zusammen, stiftet für einen Augenblick Gemeinschaft. Gott sei Dank!
Und das lassen wir uns von niemandem nehmen, nicht von jener Frau, die immer wieder ihre Stimme erhebt, um Zwietracht zu streuen – und nicht von jenen, die ihrem Hass freien Lauf lassen und andere sogar mit Mord drohen!
Wir Christinnen und Christen stehen Hand in Hand mit allen Menschen guten Willens, festgefügt, um auf diesem Markt für das Licht und gegen die Finsternis den Mund aufzumachen!
Wir lassen uns nicht einschüchtern von jenen Schreihälsen!
Nicht in Elmshorn, nicht in Schleswig-Holstein, nirgends.
Wir stehen für die Mehrheit, nicht jene. Wir stehen für den Teil des Volkes, für den wir uns nicht schämen müssen, sondern auf den wir stolz sein können.
Wir stehen für jedes Licht, das heute Abend leuchtet oder noch entzündet wird, als Zeichen für Vielfalt, als Zeichen für ein offenes Miteinander. Um Gottes und um aller Menschen willen.

Kategorie: Aus den Gemeinden, Aus dem Kirchenkreis